Was eine CO₂-Bilanz ist

Eine CO₂-Bilanz ist eine Liste aller Treibhausgase, die durch dein Unternehmen entstehen. Gezählt wird in Tonnen CO₂e. Das kleine „e“ steht für „Äquivalente“. Gemeint ist: Auch andere Gase wie Methan werden mitgezählt. Sie werden in die Menge CO₂ umgerechnet, die genauso stark wirkt.

Die Regeln dafür kommen meist aus dem Greenhouse Gas Protocol (kurz GHG Protocol). Das ist ein weltweit genutzter Standard für Klimabilanzen. Er teilt alle Emissionen in drei „Scopes“ ein. Scope ist Englisch und heißt so viel wie Bereich.

Scope 1, 2 und 3 im Überblick

BereichWas dazugehörtBeispiele
Scope 1
Eigener Betrieb
Emissionen, die direkt bei dir entstehenGasheizung im Büro, Diesel im Lieferwagen, Kältemittel aus der Kühlung
Scope 2
Eingekaufte Energie
Emissionen aus der Erzeugung von Strom, Wärme oder Kälte, die du einkaufstStrom für Laptops, Server im eigenen Büro, Fernwärme
Scope 3
Lieferkette und Produkt
Alle anderen Emissionen, die durch dein Geschäft entstehenRohstoffe, Verpackung, Transporte, Cloud-Dienste, Dienstreisen, Arbeitswege, Nutzung und Entsorgung deiner Produkte

Scope 1 und 2 kannst du direkt beeinflussen. Scope 3 liegt bei anderen: bei Lieferanten, Spediteuren und Kund:innen. Trotzdem gehört er zu deiner Bilanz. Denn ohne dein Geschäft gäbe es diese Emissionen nicht.

Warum Scope 3 so wichtig ist: Laut CDP, einer Organisation, die Klimadaten von Unternehmen sammelt, sind die Emissionen in der Lieferkette im Schnitt rund 26-mal so hoch wie die eigenen Emissionen aus Scope 1 und 2. Wer nur auf das eigene Büro schaut, übersieht also meist den größten Teil.

Rechenbeispiel: die CO₂-Bilanz eines Limonaden-Startups

Stell dir vor, du gründest ein Startup für Bio-Limonade. Du hast ein kleines Büro, ein Lager und einen Lieferwagen. Die Herstellung übernimmt eine Abfüllerei. So könnte deine Jahresbilanz grob aussehen:

QuelleScopeRechnungt CO₂e pro Jahr
Lieferwagen (Diesel)1laut Tankbelegen3
Strom für Büro und Lager210.000 kWh × 0,4 kg CO₂e je kWh4
Glasflaschen, Zucker, Zitronen3Einkaufsmengen × Emissionsfaktoren45
Transporte von Lieferanten und zu Händlern3Kilometer × Gewicht × Faktor12
Dienstreisen und Arbeitswege3Umfrage im Team3
Summe67

Alle Zahlen sind Beispielwerte zur Veranschaulichung. Echte Emissionsfaktoren findest du zum Beispiel in Datenbanken von Behörden oder in Tools für Klimabilanzen.

Was fällt auf? Scope 1 und 2 machen zusammen nur 7 Tonnen aus. Scope 3 bringt 60 Tonnen, also rund 90 % der Bilanz. Zum Vergleich: Ein Mensch in Deutschland verursacht im Schnitt gut 10 Tonnen CO₂e pro Jahr. Das Beispiel-Startup liegt also bei etwa so viel wie sechs bis sieben Menschen.

So gehst du beim ersten Mal vor

  1. Grenzen festlegen. Welche Standorte, welches Jahr, welche Aktivitäten zählst du mit?
  2. Daten sammeln. Strom- und Heizrechnungen, Tankbelege, Einkaufslisten, Reisekosten.
  3. Umrechnen. Jede Menge wird mit einem Emissionsfaktor multipliziert. Der sagt, wie viel CO₂e zum Beispiel eine Kilowattstunde Strom verursacht.
  4. Größte Posten finden. Meist reichen drei oder vier Posten, um den Großteil zu erklären.
  5. Ziele setzen. Erst dort ansetzen, wo am meisten zusammenkommt.

Am Anfang musst du nicht perfekt sein. Eine grobe Schätzung zeigt dir schon, wo die großen Hebel liegen. Genauer werden kannst du später.

Wo du am meisten sparen kannst

ScopeTypische Hebel
Scope 1E-Auto oder Lastenrad statt Diesel, Wärmepumpe statt Gasheizung, weniger heizen
Scope 2Ökostrom, sparsame Geräte, LED, Strom nur dann, wenn er gebraucht wird
Scope 3Andere Materialien, leichtere Verpackung, Lieferanten mit eigenem Klimaplan, kürzere Wege, langlebigere Produkte

Ein Hinweis zu Ökostrom: Ob er deine Bilanz senkt, hängt von der Rechenmethode ab. Das GHG Protocol kennt zwei Wege. Beim standortbasierten Weg zählt der Strommix im Netz. Beim marktbasierten Weg zählt der Vertrag, den du abgeschlossen hast. Gute Bilanzen zeigen beide Werte.