Die Idee hinter dem CO₂-Preis

Wer CO₂ ausstößt, verursacht Schäden, die andere bezahlen. Zum Beispiel durch Hitze, Dürre oder Überschwemmungen. Ökonom:innen nennen das externe Kosten: Sie stehen auf keiner Rechnung. Der CO₂-Preis holt einen Teil dieser Kosten auf die Rechnung zurück. Dann lohnt es sich, weniger CO₂ zu verursachen.

Der Staat schreibt dabei nicht vor, wie gespart wird. Jedes Unternehmen sucht selbst den günstigsten Weg. Das kann ein sparsamerer Motor sein, eine Wärmepumpe oder ein anderes Material.

Zwei Systeme: BEHG und EU-Emissionshandel

Nationaler Emissionshandel (BEHG)EU-Emissionshandel (EU-ETS 1)
Gilt fürBrennstoffe für Heizen und Verkehr, etwa Heizöl, Erdgas, Benzin, DieselStromerzeugung, Industrie, innereuropäische Flüge, Schifffahrt
Wer zahlt zuerstUnternehmen, die Brennstoffe verkaufenKraftwerke und Industrieanlagen
Wie der Preis entstehtFester Preis oder Preiskorridor, vom Gesetz vorgegebenAm Markt, durch Angebot und Nachfrage
Was du merkstHöhere Preise an der Tankstelle und beim HeizenSteckt im Strompreis und in Industrieprodukten

BEHG steht für Brennstoffemissionshandelsgesetz. Es gilt seit 2021. Zertifikat heißt hier: eine Erlaubnis, eine Tonne CO₂ auszustoßen. Die Verkäufer der Brennstoffe geben die Kosten in der Regel an ihre Kund:innen weiter.

Ab 2028 soll ein zweiter EU-Emissionshandel starten, der EU-ETS 2. Er soll Gebäude und Verkehr in der ganzen EU erfassen. Ursprünglich war 2027 geplant. Der Start wurde auf 2028 verschoben.

Was kostet eine Tonne CO₂ in Deutschland?

JahrPreis im BEHG je Tonne CO₂
202125 €
202230 €
202330 €
202445 €
202555 €
2026Preiskorridor 55 bis 65 €
2027laut Regierungsentwurf ebenfalls 55 bis 65 €

Stand Oktober 2026. Den Entwurf für 2027 hat das Bundeskabinett im August 2026 beschlossen, weil der EU-ETS 2 erst 2028 startet. Der Bundestag muss noch zustimmen.

Rechenbeispiel: Was der CO₂-Preis beim Tanken ausmacht

Beim Verbrennen von einem Liter Benzin entstehen etwa 2,3 kg CO₂. Bei einem Preis von 60 € je Tonne ergibt sich:

2,3 kg × 60 € ÷ 1.000 kg = rund 0,14 € pro Liter

Dazu kommt noch die Mehrwertsteuer. Für einen Lieferwagen, der im Jahr 3.000 Liter tankt, sind das grob 400 € CO₂-Kosten pro Jahr. Steigt der Preis auf 100 € je Tonne, wären es schon fast 700 €. Wer früh auf ein E-Auto oder Lastenrad umsteigt, spart diese Kosten.

Vereinfachte Beispielrechnung. Der tatsächliche Aufschlag hängt auch vom Kraftstoff und von Beimischungen ab.

Warum der Preis langfristig steigt

Im Emissionshandel gibt es eine Obergrenze, den Cap. Er legt fest, wie viele Zertifikate es insgesamt gibt. Diese Grenze sinkt Jahr für Jahr. Werden Zertifikate knapper, steigt meist ihr Preis. So soll der Ausstoß Schritt für Schritt sinken, bis die EU klimaneutral ist.

Funktioniert das? Eine große Studie von Colmer, Martin, Muûls und Wagner (Review of Economic Studies, 2025) hat Betriebe im EU-Emissionshandel untersucht. Ergebnis: Ihre Emissionen sanken um etwa 14 bis 16 %. Einen messbaren Verlust bei Umsatz oder Beschäftigung fanden die Forschenden nicht.

Die gute Nachricht: Klimafreundliche Technik wird mit der Zeit billiger. Akkus kosten heute laut einer Studie von Ziegler und Trancik rund 97 % weniger als 1991. Man spricht von einer Lernkurve: Je mehr produziert wird, desto günstiger wird es.

Was Startups daraus lernen können

  • Mit steigenden Preisen planen. Wer heute investiert, sollte in die Rechnung schreiben, dass CO₂ in Zukunft eher teurer wird.
  • Die großen Posten zuerst. Eine CO₂-Bilanz zeigt, wo der Preis dich am stärksten trifft.
  • Effizienz zahlt doppelt. Wer weniger verbraucht, spart Energie und CO₂-Kosten.
  • Ins Budget einrechnen. Höhere Energiekosten erhöhen deine Burn Rate.